Aus aktuellem Anlass…

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…wollen wir uns einem wichtigen Thema widmen, dem internationalen Pferdetransport und dessen Bestimmungen.
Ob man ein Pferd in Spanien, Portugal oder Italien kauft, Tiertransporte sind europaweit durch die selben Gesetze geregelt und dienen einem Lebewesen als Schutz auf einer langen Strecke, den diese Bestimmungen sind unteranderem auch an das Tierschutzgesetz gekoppelt.
Erschreckenderweise ist uns mal wieder ein Transportunternehmen untergekommen, das von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und es auch noch geschafft hat, seine Kundin massgebend zu beeinflussen, so dass deren Pferd auf einen nicht registrierten Transport hätte steigen sollen, wobei wir uns mit Händen und Füssen gewehrt haben (wir sind übrigens in solchen Fällen gerne die Bösen und Unprofessionellen, die Hauptsache, wir sind nicht an irgendwelchen krummen Dingen beteiligt, die einem Pferd schaden können). Denn wo ein Transport nicht behördlich angemeldet ist, da ist keine Sicherheit und manch Pferd ist in Europa schon unterwegs verschwunden oder am Zielort von den Behörden eingezogen worden, da dem Pferd die behördlichen Genehmigungen zur Reise fehlten.
Es reicht nicht, wenn man als Transporteur über die erforderlichen Lizenzen verfügt, dass man ein Pferd überhaupt auf internationaler Strecke auf einem Langzeit-Transport mitnehmen darf.

Um ein Pferd heute auf internationaler Ebene zu transportieren, braucht es eine Ausfuhrgenehmigung, eine sogenannte Bescheinigung für den innergemeinschaftlichen Handel (Anmeldung und Erhalt für in Portugal geborene Pferde über das portugiesische Landwirtschaftsministerium). Ein Pferd muss heutzutage mit einem Mikrochip (Transponder) zur sicheren Identifizierung gekennzeichnet sein. Kommt bei uns ein Fohlen zur Welt, wird es somit über den Mikrochip auf unseren Haltungsbetrieb registriert.
Das ist das erste, was die Behörden sehr genau unter die Lupe nehmen, von wo aus und wohin fährt das Pferd. Es ist zwingend wichtig, dass ein Pferd von einem registrierten Haltungsbetrieb (jeder offizielle Haltungsbetrieb bekommt eine Zulassungsnummer) in einen ebensolchen fährt, also von Haltungsbetrieb zu einem anderen Haltungsbetrieb. Wenn das Lieschen Müller also seine Pferde im Garten oder in der Garage hält, was nicht erlaubt ist, dann führe ein Pferd in eine ungewisse, tierschutzwidrige Zukunft und die Behörden verweigern dem Pferd die Ausfuhr. Lieschen Müller muss also vorab dafür sorgen, dass ihr Pferd standesgemäss untergebraucht wird.
Dann muss das Transportunternehmen den Transport bei der Behörde anmelden. Neben den Lizenzen, die ihn zu einer Fahrt berechtigen, muss er diverse Informationen zum zukünftigen Transport hinterlegen. Das ist beispielsweise der Name des Fahrers. Es ist nun so, dass beispielsweise ein Fahrer aus Spanien nicht einfach so mal einspringt, ein Pferd mit irgendwelchem 2er Anhänger in Portugal abholt und es dann nach Barcelona zu einem Sammelplatz fährt, wo das Pferd umsteigt, in einen Lastwagen, mit einem anderen Fahrer. Sowohl der Fahrer, wie auch das Fahrzeug, haben auf der ganzen Strecke der selbe zu sein und dürfen nicht ausgewechselt werden. Somit sind für die Ausfuhrgenehmigung Fahrer, wie auch das Strassenfahrzeug ein wichtiger Bestandteil. Die Dauer der Fahrt wird ebenfalls sehr genau unter die Lupe genommen. Es ist wichtig, dass das Pferd so schnell wie möglich, in Betracht der gesetzlich festgelegten Ruhezeiten, von A-B gefahren wird und es nicht unnötig auf einem Hänger steht. Ist also die Fahrt auf 72 Stunden angemeldet, dann sollten diese 72 Stunden auch soweit wie möglich eingehalten werden (Stau, Unfälle werden mit Kulanz gehandelt). Auf den Behörden aufzutauchen und mit einem Schulterzucken nicht zu wissen, wie lange der Transport dauert, wird mit einem Händeschütteln und einer Aufforderung quittiert, dass man gerne wieder herkommen darf, wenn man weiss, wie lange das Pferd auf dem Transporter steht. Denn, um einen Zeitplan einzuhalten, braucht es eine Reiseroute, die zwingend einzuhalten ist. Der Fahrer kann also nicht kurz einen Abstecher an die Costa del Sol machen, weil dort gerade herrliches Wetter herrscht, ausser die Costa del Sol liegt auf der Reiseroute, sondern, er hat genau nach Plan zu fahren und dies auf dem schnellstmöglichem Weg, im Sinne der Tiere, die ihm anvertraut sind.
Neben Reiseroute, Dauer der Fahrt etc. sind noch der Tag der Reise und die genaue Abholzeit von Wichtigkeit. Ein Transporteur kann nicht einfach auftauchen, wenn er gerade Lust und Laune hat, sondern dies ist genau geregelt.

So, das Transportunternehmen hinterlegt nun also diverse Daten bei den Behörden. Diese Daten sind europaweit abrufbar und gespeichert (ist mit den Pferden alles in Ordnung, werden dem Transport die Pferde zugeteilt, dies ist ebenfalls in ganz Europa einsehbar, wer überhaupt mitreist). Ebenfalls muss das Transportunternehmen dem Haltungsbetrieb, welcher ein Pferd „versendet“, die ganzen Daten zuschicken. Der Haltungsbetrieb muss nun ein behördliches Formular ausfüllen und die Daten vom Transportunternehmen, wie vom Haltungsbetrieb werden verglichen (stimmen die nicht überein, gibt es keine Ausfuhrgenehmigung). Ebenfalls muss nun für das Pferd über einen Tierarzt ein Gesundheitszeugnis ausgestellt werden, welches bescheinigt, dass das Pferd den Transport überhaupt antreten darf. Dieses Gesundheitszeugnis wird in die Ausfuhrgenehmigung integriert. Also allein ein Gesundheitszeugnis von einem Tierarzt ausgestellt, berechtigt ein Pferd nicht, die lange Reise durch Europa anzutreten, es ist null und nichtig und hat absolut keine Aussagekraft, da nicht von den Behörden abgesegnet.

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Hört sich alles kompliziert an, ist es aber nicht. Kompliziert wird es, wenn ein Transportunternehmen nicht bereit ist, den Transport anzumelden, der Kundin einflüstert, dass ein Gesundheitszeugnis zur Ausfuhr reicht und einem die Hände gebunden sind, nach der Gesetzeslage zu arbeiten, wie in dem Fall, den wir kürzlich hatten.
Man kann ein Pferd ohne die behördlichen Genehmigungen verschicken, es sind nach wie vor Transportunternehmen unterwegs, die fahren einfach auf gut Glück. Das sind aber illegale Transporte, werden sie erwischt, kann dass sehr hohe Bussen zur Folge haben und im schlimmsten Fall wird das Pferd eingezogen und wenn es noch dümmer läuft, gleich eingeschläfert.
Solch eine behördliche Genehmigung kostet im Jahr 2016 um die 100 Euro (inklusive Gesundheitszeugnis über einen Tierarzt). Der zukünftige Eigentümer des Pferdes hat mit den Behörden nichts zu tun, ausser dass er den Haltungsbetrieb angibt, in den das Pferd fahren soll (die Zulassungsnummer ist bei Eingabe über PC sofort ersichtlich, also nicht mal die braucht es).
Das Transportunternehmen schickt über Mail den Behörden die erforderlichen Informationen, das ist nicht mal eine Sache von 5 Minuten.
Der einzige, der ein wenig Arbeit hat, ist der Haltungsbetrieb. Der muss nämlich Zeit in einen Tierarztbesuch stecken, Formulare ausfüllen und anschliessend aufs Landwirtschaftsministerium fahren und dort zu unterschreiben und die Bescheinigung mitnehmen, die er gemeinsam mit den Papieren des Pferdes, dem Transportunternehmen bei Abholung des Pferdes, mitgibt.
Hexerei, kostenintensiv? Nicht wirklich, oder? Wer einem Pferd solche Sicherheiten (es ist so europaweit registriert und kann nicht einfach irgendwo verschwinden, ansonsten haftet der Transporteur) verwehrt, den kann es ganz teuer zu stehen kommen, bis zum Verlust des Pferdes sollte der Transport unterwegs in eine Kontrolle geraten

Informiert euch bitte vorgängig bei einem Transportunternehmen, ob die mit ausreichender Genehmigungen fahren, wenn nicht, Finger davon lassen, es gibt genug, die über Sachverstand verfügen und wissen, wie das geht und auch die volle Verantwortung für die Tiere übernehmen, die sie befördern.

So sieht diese Genehmigung übrigens aus, hier die deutsche Fassung. Es wird eine Fassung in jeder Landessprache verfasst, welche das Transportunternehmen:

ausfuhrgenehmigung

Hier ist noch der zweite Teil, der bescheinigt, dass das Pferd gesund ist und den Transport antreten darf, auf gut deutsch, dies ist das integrierte Gesundheitszeugnis:

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Über Lusitano Monte Merouço

Pferdezüchter in Portugal,
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2 Antworten zu Aus aktuellem Anlass…

  1. kruegertom schreibt:

    es scheint aber verdammt schwierig „seriöse“ Transporteure zu erkennen – gerade, wenn nicht so häufig jemanden beauftragen muss …

    • Das ist richtig, darum organisieren wir auch immer den Transport, wie auch in diesem Fall. Nur wurde der abgesagt, nicht von unserer Seite, die nächsten zwei Daten waren nicht genehm und somit hat die Kundschaft selber ein Transportunternehmen beauftragt. Und da wir eine gewisse Verantwortung gegenüber den Pferden wahrnehmen, steigt bei uns keines von unserem Betrieb aus in einen nicht genehmigten Transport. Da hat man nämlich absolut keine Sicherheiten, dient nicht nur dem Pferd, sondern auch dem Besitzer.

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